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Motorradausflug für blinde und sehbehinderte Töff-Liebhaber

Non-Profit!

Die Initialzündung zur dieser Erfolgsgeschichte hat Aeschimann Optik (Mark und Madlaina) im Vigierhof, Solothurn, vor gut acht Jahren gegeben. Anfänglich ist eine kleine Gruppe vom Bahnhof Solothurn aus zu dieser sonntäglichen Ausfahrt gestartet. Nun, bei der siebten Auflage in diesem Jahr ist die Einladung zum Töffausflug –  in Zusammenarbeit mit Claudia Graf, Stellenleiterin Fokus-plus, Fachstelle Sehbehinderung – an die Klientinnen und Klienten des Kantons Solothurn und Umgebung erfolgt.

Startpunkt Solothurn

Am  27. August haben sich 13 sehbehinderte und blinde Passagiere beim Bahnhof Solothurn eingefunden, um zusammen mit ihren Töfffahrern zum sonntäglichen Ausflug aufzubrechen. Einem herzlichen Willkommen folgten letzte Vorkehrungen für einen stressfreien Ausflug: Helme anpassen, richtige Kleidung (Jacken) anziehen, Informationen zum Ausflug entgegennehmen.

Minutiöse Planung

Das Briefing an die Fahrer und Helfer ist im Voraus geschehen. Das heisst: Nebst den Fahrern mit Begleitpersonen sind Helfer gefordert, die vorausfahrend die anderen Verkehrsteilnehmer über den herannahenden Konvoi informieren und zu Rücksichtnahme auffordern. Selbst ein Begleitfahrzeug fährt mit, um im Notfall Umsteigewillige im Auto aufzunehmen. Dieter Haberthür mit seiner Crew haben eine ungefähr anderhalbstündige Töfffahrt ins Emmental geplant. Die Fahrt hat vom Bahnhof Solothurn via Koppigen, Wynigen, Kappeln nach Rüderswil geführt.

Grillen und Essen auf dem Bauernhof

Einen wunderbaren Empfang für unseren Mittagshalt hat uns Familie Schifferli auf dem Gelände ihres Bauernhofes in Rüderswil bereitet. Schön gedeckte Tische, einen gut bestückten Grill, Apéro, Tranksamen und ein unübertroffenes Dessertbuffet haben uns schwelgen lassen! Ein ganz grosses Merci der ganzen Familie, einschliesslich der vier Kinder, dem Hund und der Katze!

Das Spezielle an diesem Ausflug

Es ist ein Zusammentreffen zweier Welten, die in der Konstellation auf den ersten Blick nicht zu funktionieren scheint. Doch nach kurzer Zeit sind Zweifel verflogen. Die «blinden» Passagiere vertrauen ihren Piloten und die Fahrer tragen Sorge zu ihrer wertvollen «Fracht». So nebenbei: Da die Passagiere auf dem Sozius wegen ihrer fehlenden Sehkraft die Bewegungen in Kurven, beim Bremsen, beim Anfahren ganz intuitiv mitmachen, gestaltet sich die Fahrt für den Fahrer angenehm. Helfer braucht es dann beim Auf-/Absteigen auf den oder vom Töff.
Für die Helfer beim Mittagessen ist es die schöne Aufgabe, die Gäste zu bedienen. Mit einer Selbstverständlichkeit werden die gefüllten Teller serviert. Spätestens nach dem ersten Hinstellen merken selbst die helfenden Kinder, dass es ohne Reden – ich komme von links und bringe das Essen! oder ich stelle auf der rechten Seite das Trinkglas hin! – nicht geht.

Die Rückfahrt

Der Wettergott ist gnädig und hat – nach ein paar Tropfen Regen – unsere Rückfahrt trocken gehalten. Via Grünenmatt, Moosegg, Biglen, Burgdorf, Bätterkinden sind wir um ca. 16 Uhr wohlbehalten nach Solothurn zurückgekehrt.

«Mitenand»

An dieser Stelle sagen wir allen Fahrern, Helfern (namentlich Familie Schifferli, Dr. Claudia Daumüller und Otto Kunz) ein ganz grosses Merci für ihren Einsatz. Für die herrlichen Bratwürste und die köstlichen Cervelats, gesponsert von der Pferdemetzgerei Solothurn, ebenfalls ein herzliches Dankeschön. Und natürlich auch Dank für die wunderbare «Züpfe» von «Grapperia-Toni».

... und zum Schluss

Der Titel zu diesem Artikel ist bewusst gewählt. Er zeigt auf, dass er – materiell gesehen – zutrifft: Stimmungsmässig und emotional betrachtet sind wir nach diesen gemeinsamen Stunden aber um Eindrücke reicher und freuen uns, zufrieden und profitierend! auf einen erlebnisreichen Tag zurückblicken zu dürfen.

Freuen wir uns auf den Ausflug im 2018!

Text: Otto Kunz